Bericht vom Samstagspilgern am 8. Mai

Auf dem Kolumbansweg von Tuggen nach St. Gallenkappel

Nun ist die Pilgersaison auch mit den Füssen eröffnet, mit dem Samstagspilgern vom 8. Mai. Dabei pilgerte der Verein Jakobsweg Graubünden wieder eine Etappe über den im 2020 neu eröffneten Kolumbansweg.

Das Wetter war wohltuend schön. Der Wanderleiter, Wolfgang Sieber, hat die Wegabschnitte mit Pausen in Grynau, Schmerikon, Goldberg, Neuhaus und St. Gallenkappel passend und gut gestaltet. Der Apostel Jakobus und der irische Wandermönch Kolumban haben sich anregend unterhalten. Ein gehaltvoller, wunderbarer Tag. Nachfolgend ein Bericht.


Am 6. November ist ein Samstagspilgern auf der Etappe St. Gallenkappel – Wattwil geplant.


Die Gegend hinter der March («March» von: Marken = Grenzgebiet) scheint mir nicht sonderlich bekannt zu sein. Uznach, Goldberg, Schmerikon, St. Gallenkappel, Neuhaus, Grynau – wer kann schon diese Ortschaften einander zuordnen? Wer kennt die Weiler und Dörfer? Mir geht es so: Mit dem Kolumbansweg betrete ich Neuland.

Das Linthbord-Anneli

Neuland hat auch das Linthbord-Anneli betreten. Von Kindsbeinen an gelähmt, hat sich Anneli zu legendärer Zeit vom Elternhaus entfernt, ist fort, hat sich auf allen Vieren ans Linthufer begeben, dort von einem Fährmann über den Fluss übersetzen lassen, hat sich über die Linth abgesetzt und hat dort durch eine Christuserscheinung Heilung erfahren. Vom Linthbord-Anneli hören wir in der Linthbordkapelle. Die Mär vom Kind, um das sich niemand kümmerte und das niemand vom Dorf anschaute – und das doch in Jesu Christi Namen den aufrechten Gang erlernt, danach aus der sumpfigen March verschwindet, diese Mär bewegt.

Grynau, Jakobus und Kolumban

Bewegt gehen wir weiter. Wir marschieren nach Grynau, einem Weiler mit einem Schloss und dieses Schloss ist heute ein Landgasthof mit Terrasse. Hierhin zieht es uns, verdient, wie wir meinen, zum Morgenkaffee. Vor dem Kaffeehalt auf der sonnigen Terrasse aber besuchen wir die Grynauer Schlosskapelle, eine Hauskapelle, in dieses Schloss eingebaut. Sie heisst Kapelle zu den Vierzehn Nothelfern und beherbergt darüberhinaus ein Madonnenbild. Dieses zeigt Maria mit dem Jesuskind in der Mitte von Kolumban, Verena, St. Martin und dem Heiligen Gallus. Kolumban trägt eine leuchtende Sonne auf seinem Brustkleid. In dieser Kapelle tragen Wolfgang und ich den zweiten Teil unserer Begegnungsgespräche von Jakobus und Kolumban vor. Den ersten Teil haben wir am Gallusbrunnen in Tuggen zur Begrüssung der 12 Teilnehmenden am Tagespilgern gesprochen. «Jakobus trifft Kolumban» lautete das Thema auf dem Flyer zum Samstagspilgern und mit diesem Thema sollen die beiden Missionare und ihre verschiedenen Lebenszeiten vorgestellt werden.

Dem Linthkanal entlang nach Schmerikon

Nach Grynau wanderten wir durch das weite Naturschutzgebiet der Linthkanal-Ufer nach Schmerikon, dem Fischer-, Bade- und Seesport am Zürcher Obersee. Hier säumten uniformierte Männer, auf deren Brustkleid «Boat-Security» zu lesen war, den Wegrand und die Zufahrten zu Boots-Lagerplätzen. In Schmerikon fand die Nationale Regatta Schmerikon, ein Ruderbootwettkampf statt. Am Seestrand sassen die Fans und spornten ihre Favoriten an, im Seehafen wurden schnittige Boote ins Wasser gelassen und aus ihm gehoben. Hier lockte ein Bratwurststand und dort eine gekühltes Eis. Übers Wasser pfeilten schnittige Kanus, in denen Jugendliche ihre Kraft und Ausdauer auslebten und mit ihren Rudern das Wasser peitschten. In Schmerikon war allerhand los am vergangenen 8. Mai.

Bergan nach Goldberg mit Aussicht

Auf die Mittagsrast folgte ein Anstieg nach Goldberg, ausgerechnet bei grosser Tageshitze. Diese nahmen wir in bewährter Pilgerhaltung «mit Schritt für Schritt ans Ziel» gut unter die Füsse und das hat uns einen mehr wie belohnenden Ausblick über den Obersee und den Buechberg geschenkt. Ja, auch auf dem Goldberg gaben sich Jakobus und Kolumban das Wort, berichteten von Regeln, die gesetzt werden sollen und von Überzeugungen, die das Leben lebenswert machen würden. Für diese theatralisch vorgetragenen Gedanken erhielten die beiden auch dort oben Beifall, was doch für einen gewöhnlichen Pilgertag eher ungewohnt war.

Abschluss eines gehaltvollen Pilgertages

Vom Goldberg hinab nach Neuhaus, dort in die Jakobuskapelle zum letzten Gespräch zwischen den beiden, die ihre Namen europäischen Pilgerwegen schenkten. Ins Aabachtobel mussten wir hinabsteigen, das ziemlich steil, danach ebenso steil nach Gerendingen hinauf und dann erreichten wir St. Gallenkappel. Das Dorf hiess bis in das 18. Jahrhundert Rüeterswil. St. Gallenkappel entstand erst um 1750. Wo heute die Pfarrkirche steht, wurde vermutlich bereits im 9. Jahrhundert eine Galluskapelle gebaut. Sie war dem Gallus geweiht und gab Jahrhunderte später dem Ort einen neuen Namen.

Von Wegabschnitt zu Wegabschnitt trug Wolfgang Sieber Interessantes zur Ortsgeschichte oder zur Geschichte einer Kirche vor. Das gab diesem ersten Samstagspilgern Gehalt und das Erlebnis: Heute war ein guter Tag, gut fürs Wandern und für die Bewegung, gut für die Pilgergemeinschaft, gut fürs Pilgerverständnis und fürs Wissen über den irischen Wandermönch Kolumban. Dass der abschliessende Trunk im Restaurant Rössli gleich neben der Kirche so richtig mundete, war nicht des Organisatoren Verdienst, bestätigte aber den als bereichernd erlebten Pilgertag.

Heiner Nidecker

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