Bericht von der Eröffnung des Kolumbansweges am 30.06.2020

Am 30. Juni 2020 hat das schweizerische Wanderwegnetz eine markante Bereicherung erfahren: im ältesten Gasthof der Schweiz, dem Restaurant Sternen in Wettingen, durfte eine rund 50-köpfige Teilnehmerschar, darunter 5 Mitglieder des Jakobsweges Graubünden sowie eine Delegation aus dem französischen Luxeuil, die offizielle Eröffnung des schweizerischen Teils des europäischen Kolumbansweges miterleben. Ein wolkenloser Himmel spannte sich über die Festgemeinde.

Mit einer ersten Stärkung für die teils weither Gereisten nahm der Anlass einen angenehmen Anfang im Garten des Restaurants. Anschliessend begaben sich alle in die schöne Stella Maris Stube, wo nach der Begrüssung durch den Präsidenten der IG Kolumbansweg Schweiz, Wolfgang Sieber, der erfahrene Pilgerbetreuer und Präsident des Vereins Pilgerherberge St. Gallen, Josef Schönauer, das Pilgern anschaulich darstellte und den Bezug zum Kolumbansweg als spirituellen Weg aufzeigte. Dabei verglich er den Kolumbansweg, wie jeden Pilgerweg, mit einer Perlenschnur.

«An seinem Weg liegen wie an einer Schnur bedeutende Perlen der Spiritualität. Es sind besondere Orte am Weg. Es sind unzählige Kirchen und Kapellen mit je eigener Geschichte und eigener Ausstrahlung. Sie laden ein, sich darin aufzuhalten, sie auf sich wirken zu lassen. Sie wirken heilsam und lassen die Seele gesunden. Bilder, Skulpturen und Ausstattung einer Kirche können Fragen aufwerfen. Die Antworten darauf finde ich vielleicht erst zuhause».

Im zweiten Referat zeigte Präsident Wolfgang Sieber die Entstehung des Weges auf, vom Projekt Gallusweg im Jahre 2012 bis zur heutigen eigenen Website. Er erwähnte die Schwierigkeiten, eine plausible Route zu schaffen, sind doch nur drei Orte in der Schweiz und in Österreich in den Lebensgeschichten von Kolumban und Gallus nachgewiesen: Tuggen, Arbon und Bregenz. Für die Wegführung wurden bestehende Wanderwege benutzt, weitgehend Flussläufen folgend. So entstand schliesslich eine rund 500 km lange Strecke, die in die europäische «Via Columbani» eingebettet ist und mit 21 Tagesetappen von Basel nach Chiavenna führt. Genauere Hinweise finden sich auf der Homepage www.kolumbansweg.ch.

Der dritte Redner, Dr. Cornel Dora, Stiftsbibliothekar von St. Gallen, gab Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge zur Zeit von Kolumban und Gallus. Anschaulich schilderte er die Zeit vom späten 6. Jh, als irische Mönche nach dem Zerfall des römischen Reiches mit ihrer Lebensweise und ihrer christlichen Leitidee: Menschenwürde, Liebe und Erlösung, die Leute faszinierten. Und sie waren gebildet wie niemand sonst.
«Sie bauten mit am Fundament des Mittelalters, das mit ihrer Hilfe vom Christentum geprägt und von seinen Idealen durchdrungen wurde. Diese Mönche waren auch Europäer in einem neuen Sinn. In einem Brief an Papst Gregor den Grossen bezeugt Kolumban erstmals die Idee eines auch den Norden umfassenden christlichen Europa. Dieser Gedanke war während mehr als einem Jahrtausend wegleitend für unseren Kontinent.»

Franz With, Vertreter von Gesundheitsland Schweiz, zeigte auf, wie der Kolumbansweg ein Weg zur Entschleunigung vom Alltag werden soll. «Noch nie hatte Gesundheit einen so hohen Stellenwert wie heute. Unter dem Motto Der Schnelligkeit entfliehen möchte der Kolumbansweg Schweiz den Menschen daher vielfältige Impulse zu Gesundheit für Körper-Geist-Seele auf den Weg geben». Seit dem frühen Mittelalter stand die Heilkunst jener Zeit auf zwei Beinen: auf der überlieferten antiken Medizin und auf volksmedizinischem Wissen, das gerade in den Klöstern in grossem Stil angewandt wurde. Da die Schweiz in dieser Hinsicht eine historisch gewachsene Kompetenz aufweist, will der Kolumbansweg den Menschen mit der Plattform «Gesundheitsland Schweiz» eine einzigartige Übersicht über die vielfältigen Möglichkeiten von natürlicher Gesundheit in der Schweiz entdecken und erleben lassen.

Nach dieser intensiven Auseinandersetzung mit allen Facetten des Kolumbansweges erfreute der Wirt des Gasthofs Sternen die Gäste mit einem grosszügigen Apéro, in dessen Verlauf auch die attraktive Kolumbansweg-Plakette an der Hauswand des Restaurants enthüllt wurde.

Der sich ankündigende heisse Tag trieb die angehenden Wanderer in die Klosterkirche Wettingen, wo Josef Schönauer die Pilgerwanderung mit ein paar tiefsinnigen Gedanken einleitete. Spirituell gestärkt machten sich gut 30 Frauen und Männer auf den Weg zum rund 15km entfernten Kloster Fahr. Entlang der Limmat, zuerst am linken, dann am rechten Ufer, mit einem Picnic-Halt unterwegs, wurde tüchtig geschwitzt, aber auch munter diskutiert und gelacht. Die sehr schöne, nicht allzu herausfordernde Wanderung, fand ihren würdigen Abschluss im Benediktinerinnen-Kloster Fahr. Die an sich noch wegen des Virus geschlossene Kirche wurde eigens für die Wanderer geöffnet, sodass Josef Schönauer noch ein letztes besinnliches Wort an alle richten konnte und mit dem gemeinsamen Singen des «Laudate Dominum» einen sehr schönen Schlusspunkte setzte.

Im Klostergarten hatten mittlerweile die Schwestern in verdankenswerter Weise Getränke und Brötchen bereitgestellt, da das Restaurant seinen Ruhetag «genoss». So erfrischt und gestärkt zerstreute sich die Wandergruppe in alle Himmelsrichtungen.
Die Teilnehmenden waren sich einig: es war ein wunderschöner Tag, interessant, lehrreich und bereichernd in jeder Hinsicht.