Bericht vom Samstagspilgern

am 5. Mai 2018 von Trin Digg nach Falera
von Ruedi Zuber
Tagethema: «Einkehr»

Der Frühling hatte sich auch in mittleren Höhenlagen bereits angekündigt. Die Obstbäume standen jedenfalls bereits voll in Blüte, und auch die Wiesen zeigten sich in ihrer bunten Pracht. Noch kaum zu erahnen war, dass es einen der sonnigsten und wärmsten Sommer der vergangenen 50 Jahre geben sollte. So war auch der heutige Tag recht warm und sonnig, es herrschte ideales Wanderwetter. 8 Personen, davon 3 Mitglieder unseres Vereins, haben an diesem abwechslungsreichen Ausflug mit viel Natur und Kultur unter sachkundiger Wanderleitung teilgenommen.

Nach dem Start bei der Festungssperre Trin und einer kurzen Wanderung durch den Wald des Bot Fiena, mit der Überschreitung des Flembaches, erreichten wir schon bald den verträumten Weiler Pintrun. Von nun an bewegten wir uns zu grossen Teilen auf der mittelalterlichen Route, welche nicht nur Pilger, sondern vor allem Säumer und fremde Truppen unter Otto dem Grossen, Friedrich Barbarossa u.a. benützt haben. Doch Abschnitte dieses Weges existieren heute nicht mehr, weil sie der Erosion der Rheinschlucht zum Opfer gefallen sind.

Von der Aussichtsplattform «Il Spir» erhielten wir einen wundervollen Einblick in die gigantische Rheinschlucht, das Ergebnis jahrtausendelanger Erosion nach dem Abgang des Flimser Bergsturzes. An den steilen Tobeleinhängen klammern sich Föhren fest, bis vielleicht ein Schneerutsch oder ein Starkniederschlag mit Erosion einige davon wieder zu Fall bringt und die Waldbesiedelung von Neuem beginnt. Es ist hier in der Natur ein ständiges Kommen und Gehen.

Die Terrassenwiesen von Conn, Tuora, Foppas und Planezzas zeugen von der mittelalterlichen Rodungstätigkeit. Hier bestanden kleine Siedlungen, deren Bewohner einst die Aufgabe hatten, den Durchgangsweg zu sichern und zu unterhalten. Über die Brücke des Ual da Mulin geht es vorbei am alten Gewerbezentrum Mulin mit Mühlen, Sägerei und Gerstenstampfe, dann hinauf zum Bregl da Heida, wo bereits im 8.Jh. eine Columbanskirche stand. Von der Aussichtsplattform Crap Signina gibt es eine gute Übersicht zur Landschaft und einen Ausblick auf den Talkessel des ehemaligen Ilanzer Sees.

Die kleine Kapelle Sogn Giacun unterhalb Laax, vermutlich einst gebaut durch eine Jakobsbruderschaft, ist leider meistens geschlossen. Mit dem Bau der Meliorationsstrasse hat dieser Ort leider an Idylle stark eingebüsst. So begnügten wir uns mit dem Besuch der Kirche St.Othmar und Gallus in Laax, mit der geschnitzten Jakobusdarstellung auf dem Portal. Vorbei am lieblichen Lag Grond, ging es nochmals kräftig bergauf. Dann folgten wir dem Planetenweg bis nach Falera. Den Abschluss machten der Besuch der St.Remigiuskirche und ein Blick auf die megalithische Kultstätte aus der Bronzezeit.

Das Tagesthema «Einkehr» war Gelegenheit, über das grosse Naturereignis des Flimser Bergsturzes vor 9500 Jahren und die einzigartige Landschaft nachzudenken, in welcher wir uns wie kleine Stecknadeln vorkommen, aber auch über die Gewalten der Natur zu grübeln, welchen wir selbst in unserem volltechnisierten Zeitalter ausgeliefert sind.