Bericht vom Samstagspilgern

am 04. November 2021: von St.Gallenkappel nach Wattwil

Bei prächtigem Herbstwetter war eine Gruppe auf dem Kolumbansweg unterwegs.

Kolumbans Klosterregel von Luxieul war dabei das Thema.

Nicht nur das: Über den Rickenpass und damit durch eine wunderbare Landschaft führte der Weg.

Von der Wanderung hat Wolfgang Sieber einen Bericht verfasst. Am Ende des Berichts befindet sich ein Link zur Bildergalerie dazu.

Kolumban und die Klosterregeln

Samstagspilgern des Vereins Jakobsweg Graubünden vom 6. November 2021, auf dem Kolumbansweg von St. Gallenkappel nach Wattwil. Für die Teilnehmer aus dem Bündnerland, der Heimat des Jakobsweges Graubünden, war diese Wanderung erneut ein besonderes Erlebnis ausserhalb ihres Zuständigkeitsbereichs. Und man blieb doch verbunden mit Jakobus, dessen Weg man an diesem Tag mit Kolumban teilte .

Befürchtet hatte man den häufigen Nebel in der Linthebene und beim Aufstieg auf den Ricken. Die Realität war höchst erfreulich eine andere: kein Nebel, dafür Sonnenschein an einem stahlblauen Himmel!

So trafen sich in St. Gallenkappel, dem Endpunkt der Mai-Wanderung, 9 Wanderer, die sich mit einem Kaffee im Hotel Rössli auf den Weg einstimmten. Die eigentliche Begrüssung fand in der Kirche St. Laurentius und Gallus statt. Erneut wurde in einem Vorlese-Rollenspiel von Heiner Nidecker und dem Schreibenden eine Annäherung an Kolumbans Klosterregel von Luxeuil versucht. Die erste Station beschäftigte sich mit dem Klosteralltag. Welches waren für Kolumban Voraussetzungen für ein Leben in der Gemeinschaft und für das Erreichen des Ziels, als Mönche den Mitmenschen Vorbilder zu sein.

Auf dem Jakobs-/Kolumbansweg wanderte die Gruppe dem Ricken zu. In Rüeterswil unterbrach der Besuch in der St. Ursulakapelle, mit einer schönen Jakobusfigur auf der linken Seite in der Apsis, den Aufstieg. Schon bald erreichte man Walde, wo in der Kirche der zweite Teil des Rollenspiels vorgetragen wurde. Das Thema drehte sich nun um die Regel, die ein Zusammenlegen in der Gemeinschaft erst ermöglicht.
Regeln sind nicht Gesetze, sondern Richtlinien, eine Messlatte. Ich halte mich mit Einsicht an dieses Mass, will es erreichen, falle von ihm ab, raffe mich wieder zu ihm auf, weiss um Mitschwestern und Mitbrüder, die den gleichen Weg gehen wollen, wie ich, die sich an die gleiche Regel halten, die mit dieser Regel wirklich miteinander verbunden sind. Die Regeln verbinden Menschen.

Geistig gestärkt wurde der nächste Aufstieg angegangen und nach einer guten Stunde war die Mittagsrast willkommen. Die Kühle des wunderschönen Tages liess schon bald wieder zum Aufbruch blasen. Eine letzte Anstrengung und der höchste Punkt des Tages auf 989 müM war erreicht.

Auf der «Heid» wurde mit dem Thema Gehorsam eine Diskussion unter den Teilnehmenden ausgelöst. Der absolute Gehorsam, den Kolumban von seinen Schülern und Mitmönchen verlangte, ist in der heutigen Zeit nur noch schwer zu verstehen. Es war jedoch zu jener Zeit äusserst wichtig, dass die Mönche mit einer Stimme redeten, als Einheit auftraten, um die Botschaft, die sie brachten, glaubwürdig zu vertreten. Und Einigkeit war Kolumban ein grosses Anliegen. Bezogen auf heute: das einige Europa, das Kolumban ja bereits in seinem Brief an Papst Gregor den Grossen anspracg, konnte nur erreicht werden, wenn sich die Menschen als Einheit verstehen und als Gemeinschaft in Frieden miteinander leben.
Auf dem Weg hinab nach Wattwil wurde denn auch heftig über diese Gehorsamspflicht diskutiert.

Vorbei an der Iburg und am ehemaligen Kapuzinerinnenkloster – heute Fazenda da Esperança – erreichte die Wandergruppe nach einer guten Stunde den Bahnhof Wattwil, gerade rechtzeitig, damit alle Teilnehmenden mit dem Zug in die verschiedenen Himmelsrichtungen wieder ihrem Wohnort zustreben konnten.

Der Aufstieg verlangte von der Blutpumpe einiges. Entschädigt wurde man jedoch durch traumhafte Aussichten über die Linthebene, den oberen Zürichsee, in die Alpen und schliesslich auch ins Toggenburg und auf die frisch verschneiten Churfirsten. Für manche war es das erste Mal, dass sie in dieser Gegend wanderten und es herrschte Einstimmigkeit: es lohnt sich unbedingt! Dass ein strahlend blauer Himmel seinen Beitrag zu diesem schönen Tag leistete, war dann einfach das Sahnehäubchen auf dem Kaffee.
Das ist das Schöne beim Weitwandern, beim Wandern auf solchen Wegen: man entdeckt neue Gegenden, lernt etwas Neues kennen, das man sonst meist nicht unbedingt aufsuchen würde.

Im nächsten Frühling geht es denn auch weiter auf dem Kolumbansweg, der sich in Wattwil vom Jakobsweg verabschiedet. In einer zweitägigen Wanderung soll Flawil erreicht werden. Wanderfreudigen sei das Wochenende 7./8. Mai 2022 schon heute wärmstens empfohlen. Genauere Angaben finden sich rechtzeitig auf der Homepage von Jakobsweg Graubünden unter «Aktuelles».

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