Bericht vom Samstagspilgern am 7. November 2020

Von Pfäffikon/SZ nach Tuggen – Samstagspilgern auf dem neuen Kolumbansweg

Am Anfang des Samstagspilgerns lag über dem Ried vor dem Bahnhof Pfäffikon noch feiner Morgennebel. Durch den dünnen Nebelschleier hindurch aber strahlten hell beschienen das Rapperswiler Schloss und die Schlosskirche. Am Ende des Samstagspilgern glänzten die Worte von Dr. med. Jürg Wyrsch, der uns markant und feinfühlig bewegt die Geschichte der March, von Tuggen und der Tuggener Kirche erzählte. Zwischen Anfang und Ende durften wir unter der Wanderleitung von Wolfgang Sieber ein wunderschönes Samstagspilgern erleben.

Wolfgang Sieber versammelte die 13 Pilgerinnen und Pilger vor dem Turm der Burg Pfäffikon und in der barocken Kapelle «Weissenburg» davor. Wolfgang Sieber schilderte uns das Leben von Kolumban und seinem Weissen Martyrium, das für ihn und seine 12 Schüler ganze Heimatlosigkeit bedeutete. Wir hörten von seinem Aufbruch aus dem Kloster Bangor im Norden Irlands, seinen Reisen durch Frankreich, die Schweiz bis hin nach Bobbio in Italien, wo Kolumban 615 n.Chr. verstarb. Mit dem im Juli 2020 eröffneten Kolumbansweg werden das Leben Kolumbans, seine Mission, seine Klostergründungen und seine Theologie immer wieder Thema werden. Wolfang Siebers Worte, die der Referent mit persönlichen Gedanken zum Thema «Loslassen» abschloss, bildeten ein gehaltvolle Einstimmung auf den Pilgertag. Gehaltvoll! Obwohl nun auch das: nach Pfäffikon führte uns der Weg erst durch die eigenartigen Siedlungen Seefeld und Lidwil, ein Gemisch von Gross- und Kleinvillen mit Seesicht und Industriegelände. Die Gärten um die Villen blieben grösstenteils hinter Thujahecken versteckt. Bis über die Sichthöhe geschlossene Hoftore versperrten den Blick auf die Häuser, die der schönen Bauweise wegen eigentlich hätten angeschaut werden dürfen. Aus allen sozialen Zusammenhängen gerissen erschienen uns die Häuserzeilen und liessen uns über Wert und Unwert des Siedlungsbaus reden. Bei Altendorf wurde auch für uns der Zürich-Obersee wieder sichtbar und wir kamen ins Städtchen Lachen. In seinem Zentrum steht das Marcher Rathaus. An seinem Seeufer aber standen Marktstände und bereits Aufbauten für die Weihnachtszeit. Hier aber anerbot sich auch das Restaurant Marina für eine Kaffeepause vor oder nach dem Mittagslunch. Eindrucksvoll zuvor aber wurde der Besuch der Lachener Pfarrkirche, die zwischen 1569 und 1571 durch den 26-jährigen Baumeister Moosbrugger erbaut worden ist.

Bereits in Lachen war der Hochnebel längst verschwunden. Nach dem Lunch wanderten wir über die Wägitaler Aa und am kleinen Flugplatz Nuolen vorbei ins weite Ried der Allmeind zwischen Lachen und Nuolen. Schwanenflug vor uns, joggende und bikende Samstagssportler vor, hinter und an uns vorbei, warme Novembersonne, Herbstfrische! Das waren wunderschöne Schritte auf Nuolen am Fuss des Buchberges zu! Dort erwartete uns eine 300-jährige Buche mit Marien-Bildstock gleich neben dem mächtigen Stamm. Der eher korpulente und noch nicht so alte Mann, der, neben Bildstock und Buche hinter seinem Rollator sitzend uns über die Heilkraft der Buche informierte blieb zwar namenlos. Er verstärkte aber den Eindruck, hier ein uraltes Gegenüber von Baumkult und Marienkult vorzufinden und beide, Baum- und Marienverehrung wollen Menschen Kraft und Heil schenken. Das brauche er, bezeugte der Mann hinter seinem Rollator. Mit Nuolen waren wir am Fuss des Buchberges, 630 m.ü.M. angelangt und traten den wunderbaren Marsch über den Hügelzug durch Buchenlaub und Fruchtland nach Tuggen an. Der Buchberg schenkte uns einen einmaligen Ausblick einerseits auf den Zürcher Obersee und Zürchersee, dann über die Linthebene weit bis ins Glarnerland. Über was für einen wunderschönen Abschnitt des neuen Kolumbansweges durften wir heute schreiten!

Bald erreichten wir Tuggen, das Tagesziel. Hier erwartete uns vor dem Kirchenportal bereits Dr. Wyrsch und vom ihm, dem engagierten Dorfarzt, lernten wir wenige Schwerpunkte zu Tuggen kennen. Dass der Ort einst über den Gestaden des Zürcher Obersee, der jetzt eine Verlandungsebene bildet, lag. «March» bedeute eigentlich «Grenzgebiet», gemeint wäre einerseits die Grenze zwischen den römischen Provinzen Rätien und Helvetien, dann aber auch die Grenze zwischen den Bistümern Konstanz und Chur. Weit ins frühe Mittelalter zurück würde die Geschichte der March führen, wovon heute noch zahlreich alte Kirchen und Kapellen Zeugnis ablegen würden, allen voran gewiss das Mauerwerk unter dem Chor der Tuggener Galluskirche aus dem Jahre 630 n.Chr. Wir betraten die archeologische Stätte und konnten uns vorstellen, dass hierhin um 610 n.Chr. der irische Missionar Kolumban getreten war. Das erteilte dem Pilgertag doch spürbar einen unvergesslichen Abschluss. Schliesslich schilderte Dr. Wyrsch das historisch gesicherte Wirken Kolumbans und seines Gefährten Gallus in Tuggen – legendär: Kolumbans Wurf eines Götzenbildes in den See.

Mit diesem 7. November 2020 ist das Samstagspilgern des Vereins Jakobsweg Graubünden zum ersten Mal mit einem Pilgertag über den Kolumbansweg zusammengefallen. Das letzte Mal wird es nicht gewesen sein. Im Jahr 2021 werden zwei Samstagspilgern über den Kolumbansweg weiterführen. Der vergangene Samstag schenkte einen eindrücklichen Einstieg in die Auseinandersetzung mit Kolumban und seinem Weg durch die Schweiz. Dankbar sind wir Wolfgang und Francoise Sieber für die Vorbereitung dieses schönen Tages.

Heiner Nidecker, Bonaduz

Bilder vom Samstagspilgern